Sri Lanka

Auf der FH habe ich ein Fach, das nennt sich „Schreibwerkstatt“. Letzte Woche mussten wir ein Reisefeature schreiben über einen Ort, an den wir gereist sind. Da ich ohnehin schon ewig vorhatte mal über Sri Lanka zu berichten, teile ich den Text also heute mit euch.

Perle im Indischen Ozean

Sri Lanka: War Sri Lanka einst noch von Konflikten zwischen den verschiedenen Religionen überschattet, so halten heute westliche Urlauber Einzug in ein Land, wie es friedlicher nicht sein könnte.

Wenn man Sri Lanka auf einer Landkarte sucht, so findet man einen grünen Fleck mit weißer Umrandung – das sind die unzähligen Strände der Insel. Dennoch scheint die Träne Indiens, wie das Land aufgrund seiner Form und Geografie genannt wird, vom touristischen Ansturm auf Südostasien noch recht wenig mitbekommen zu haben.

In der Kleinstadt Galle, inmitten einer Moschee, einem buddhistischen sowie einem hinduistischen Tempel befindet sich die Pension von Abhay. Es wirkt, als wäre er der einzige Transsexuelle in ganz Sri Lanka. Er erntet viele schräge Blicke, aber angefeindet wird hier niemand. Die Singhalesen sind ein sehr gläubiges und traditionelles Volk.

Die Vielfalt der Religionen führte in der Geschichte Sri Lankas zu vielen Konflikten. Heute leben die Menschen in Frieden miteinander. Viele Pilgerstätten werden von Christen, Muslimen, Hindus und Buddhisten gleichermaßen besucht, um anderen Religionen Respekt zu erweisen.

Der Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen hinterließ besonders im Norden tiefe Wunden. Viele Strände sind Minenfelder, an Baden ist hier nicht zu denken. Die wenigen mutigen Rucksacktouristen beschränken sich daher meist auf den Süden bis hin zur Mitte des Landes.

Im Süden spürt man den Einzug der europäischen Urlauber am stärksten. Schnellimbisse, Hotels und Bars sprießen vor allem an den schönsten Stränden, wie beispielsweise Unawatuna, laufend aus dem Boden und zerstören die Naturkulisse. Bestellt man sich allerdings ein Tuktuk, um die Küste ein Stück weiter nach unten zu fahren, so trifft man auf die traditionellen Stelzenfischer. Die Angler, die auf Holzstöcken sitzend fischen, sind in Sri Lanka sehr angesehen. Die Stelzen werden von Generation an Generation weitergegeben und für den ältesten Sohn der Familie ist es eine große Ehre den Beruf des Stelzenfischers zu übernehmen.

 

Neben Tuktuk-Fahrten sind auch Zugreisen besonders beliebt. In singhalesischen Zügen gibt es drei Klassen, deren Ticketpreise sich um umgerechnet 20 Cent unterscheiden. In der ersten Klasse findet man nur zwei, drei wohlhabende Weiße und viele leere Ledersitze. Die zweite Klasse ist ein bunter Mix von Ausländern, denen es in der dritten Klasse zu heiß wurde. Sie kaufen sich ein Aufpreisticket und genießen auf den Plastikstühlen den kühlen Wind der im Zug angebrachten Ventilatoren. Die dritte Klasse hingegen zeigt das wahre Gesicht Sri Lankas: Restlos überfüllte Waggons, Essensverkäufer, Bollywoodmusik, lachende Kinder auf Holzbänken. Wir setzen uns in eine offene Tür und lassen während der Fahrt unsere Beine hinaushängen. Alle paar Minuten müssen wir die Füße anziehen, wenn wir an Dörfern vorbeikommen und die Menschen mit dem Zug mitlaufen, um zu grüßen.

Der Zug bringt uns quer durch Berge und Urwälder. Das Landesinnere, vor allem die Städte Ella und Nuwara Eliya, werden von den Einheimischen nicht umsonst als „Little Britain“ bezeichnet. Eine wilde Moorlandschaft, kalt-feuchte Luft und britische Temperaturen zogen die Kolonialisten rund um 1800 an. Golfplätze, Cottages und endlose Teeplantagen lassen uns für einen Moment glauben, dass wir tatsächlich in Nordeuropa sind.

Die Temperaturumstellung ist für uns Europäer nur schwer zu ertragen. Wenige Tage zuvor waren wir auf Safari im Yala Nationalpark, hier herrschen wüstenähnliche Temperaturen und starke Trockenheit vor. Sri Lanka beheimatet die größte Leopardenpopulation der Welt, die meisten davon leben im Yala Park. Wir lernen Devaka kennen, einen zierlichen, stets lachenden, jungen Mann, der sein Leben den Tieren gewidmet hat. Auf fast hundert Meter Entfernung erkennt er getarnte Echsen und Vögel in Bäumen. Seit über zehn Jahren fährt er täglich mit seinem Kollegen in den Dschungel, um Touristen die Flora und Fauna seiner Heimat näher zu bringen. Er erlaubt uns ein bisschen Brot für die Vögel fallen zu lassen, wenn wir es seinem Chef nicht verraten.

Als letzten Höhepunkt unserer Reise pilgern wir nach Kandy. In diesen Tagen findet die jährliche Perahera statt: Eine festliche Prozession, bei der eine Schatulle durch die Stadt getragen wird. Der Legende nach befindet sich darin ein Zahn von Buddha, aber nachgeschaut hat wohl noch niemand. Der Umzug dauert drei Tage und wird begleitet von tanzenden Burschen und geschmückten Elefanten. Die Emanzipierung und Modernisierung Sri Lankas ist auch hier zu spüren, denn seit ein paar Jahren dürfen auch einige wenige Mädchen an der Prozession teilnehmen. Außerdem setzen sich Tierschützer für die Elefanten ein – waren es früher noch 150, so sind es heuer nur noch 50 Tiere, die an Ketten durch die Stadt gezerrt werden.

Sri Lanka, die Perle im Indischen Ozean, hat aus vielerlei Gründen starken Eindruck bei uns hinterlassen. Diese Insel hat uns bestimmt nicht das letzte Mal gesehen.

 

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