Der Gutmensch

Ich möchte heute gerne mit euch über ein Wort sprechen, das viele als keck gemeintes Schimpfwort benutzen. Ist euch denn bewusst, wo dieser Begriff eigentlich herkommt?

Unwort des Jahres
Im Jahr 2015 lachte man noch laut darüber und wählte den „Gutmenschen“ zum Unwort des Jahres. Nach längerer Recherche nutze ich heute den Abend, um euch einen kleinen etymologischen Exkurs zu geben. Außerdem würde ich einige gerne dazu ermutigen, sich kurz Gedanken darüber zu machen, was ihr eigentlich für Begriffe in den Mund nehmt.

Etymologie
Viele Quellen besagen, das Wort stamme von dem ehemaligen k.u.k. Hauptmann Karl Gutmensch. Das mag aber auch daran liegen, dass dies einfach der bekannteste Mann mit dem Familiennamen Gutmensch war. Fakt ist, dass der Name über einen längeren Zeitraum verbreitet war, bevor er in der Nazi-Zeit zur Bloßstellung von Gegnern umfunktioniert und schließlich zu Beginn des 21. Jahrhunderts zum Schimpfwort wurde.

Der Deutsche Journalistenverband schrieb 2006 in einer Aussendung zur Initiative „Journalisten gegen Rassismus“:

Erstmals findet sich das Wort als Bezeichnung für die Anhänger von Kardinal Graf Galen, der gegen die Vernichtung lebensunwerten Lebens, also die Tötung körperlich und geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten (schließlich mit Erfolg) gekämpft haben. Nicht klar ist, ob der Begriff von Josef Göbbels oder Redakteuren des Stürmer 1941 ersonnen worden ist. Gutmensch geht auf das jiddische „a gutt Mensch“ zurück, womit von den Nationalsozialisten auch ein Bezug zu den lebensunwerten Juden hergestellt werden sollte. Adolf Hitler hat in seinen Reden und in „Mein Kampf“ ebenfalls die Vorsilbe „gut“ als abwertend verwendet. So sind für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielen.

Vergewaltigung der deutschen Sprache
Ehrlich gesagt läuft es mir kalt über den Rücken, wenn Leute heutzutage noch die gleichen Schimpfwörter wie Göbbels verwenden. Auch, wenn es für viele nur ein „Unwort“ sein mag – was um Himmels Willen soll das? Wie kann das jemand in Ordnung finden so einen Begriff im täglichen Sprachgebrauch zu verwenden?

Eva Male schreibt in ihrem Buch über Sprachspaltereien „Wenn uns die Fälle davonschwimmen!“ einen, meiner Meinung nach, sehr guten Satz:

Aber ist es nicht eine verkehrte Welt, gute Menschen schlecht zu machen? Sollte der Mensch im Idealfall nicht per se gut, der Gutmensch also ein Pleonasmus sein?

Ich kann mich hier nur anschließen. Worin liegt das Schlechte, wenn man „zu den Guten“ gehört? Warum ist es naiv, jemandem helfen zu wollen? Was ist falsch am Helfersyndrom? Die Tatsache, dass wir den Begriff „Gutmensch“ eben nicht als Pleonasmus ansehen und die Begriffe „gut“ und „Mensch“ nicht automatisch miteinander verbinden, ist schlichtweg ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.

Für mich persönlich ist der Begriff „Gutmensch“ in seiner Verwendung als Beleidigung nichts anderes als eine Vergewaltigung der deutschen Sprache. Ein positives Wort wird mit einer neuen, negativen Bedeutung besetzt und damit völlig aus seinem ursprünglichen Kontext gegriffen. Nichts anderes tat Hitler, als er von „ethnischer Säuberung“ und Ähnlichem sprach.

Ich kann damit leben, weiter als Gutmensch beschimpft zu werden. Aber sagt danach nicht, ihr hättet nicht gewusst, was das eigentlich heißt.

Fotocredit: Spiegel Online

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